Blogs und interne Wissenschaftskommunikation

Als ich begann, mich mit dem Thema interne Wissenschafts-kommunikation durch Digitale Medien zu beschäftigen, kam bei mir recht schnell folgende Frage auf: Was ist eigentlich das Interne an der internen Wissenschaftskommunikation?

Interne Wissenschaftskommunikation
im engeren und im weiteren Sinne

Vielleicht kann eine Unterscheidung in interne Wissenschafts-kommunikation im weiteren und im engeren Sinne getroffen werden.

Als interne Wissenschaftskommunikation im engeren Sinne könnte ein Beitrag dann zu verstehen sein, wenn er in anerkannten Peer-Review Fachzeitschriften oder in wissenschaftlichen Bänden (entsprechender Verlage) publiziert oder auf (von anerkannten Institutionen veranstalteten) Tagungen und Konferenzen vorgetragen wurde. Hier ist klar: Wissenschaftler kommunizieren für und mit Wissenschaftler(n) auf dafür akkreditierten und damit seriösen Wegen.

Schwieriger ist da sicherlich die Abgrenzug einer internen Wissenschaftskommunikation im weiteren Sinne. Man könnte die weite Fassung des Begriffs so verstehen, dass durch sie die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern über wissenschaftliche Themen bezeichnet wird, ohne die formalen Qualitätskriterien der internen Wissenschaftskommunikation im engeren Sinne. Bildlich gesprochen also das Gespräch zwischen Wissenschaftlern am Tagungsbuffet oder die Unterhaltung im Rahmen irgendwelcher formloser Zusammenkünfte von Wissenschaftlern (Stichwork: Kommunikation in Teeküchen und Fluren).

Wissenschaftskommunikaton im digitalen Raum unter Einbeziehung der Öffentlichkeit

Diese Definition lässt sich zwar auch in den digitalen Raum (z.B. in Form von Foren, Wikis oder Mailinglisten) übertragen, wird dort aber schnell unscharf. Sobald mindestens der Lesezugriff auf eine solche Onlinekommunikation auch von außerhalb einer geschlossenen Forschergruppe möglich ist, werden bereits die Grenzen zum Wissenschaftsjournalismus berührt. Denn wenn zumindest die Gruppe der Rezipienten potentiell aus der gesamten Weltöffentlichkeit besteht, kann man wohl kaum von interner Kommunikation sprechen. Wenn in Weblogs auch noch der Rückkanal in Form von Kommentaren und Verlinkungen geöffnet wird, müsste man eigentlich von interner Wissenschaftskommunikation unter Einbeziehung der Öffentlichkeit (und damit auch von Laien) sprechen.

Interne Wissenschaftskommunikation in Weblogs

Man könnte in diese Richtung weiter argumentieren und öffentlich zugängliche Blogs explizit aus den Kommunikationswegen (echter) interner Wissenschaftskommunikation (sowohl im engeren als auch im weiteren Sinne) ausnehmen. Andererseits wäre es sicher falsch, Diskussionen in einschlägigen Blogs als für die Wissenschaft irrelevant abzutun. Wenn Fachleute in einem Weblog zu bestimmten Themen diskutieren, kann man das wohl kaum als per se unwissenschaftlich abtun. Auch dann nicht, wenn dies unter den Augen der Öffentlichkeit geschieht und auch Laien an der Diskussion teilnehmen (zumindest sofern auch von den schreibenden Laien ein gewisses Niveau erreicht wird).

Gütesiegel für seriöse wissenschaftliche Blog-Kommunikation?

Wissenschaftler kommunizieren in Blogs im öffentlichen Raum zu Themen des eigenen Fachgebietes und beanspruchen in der Regel auch als Experte anerkannt zu werden.
Aber wodurch kann sichergestellt werden, dass die geführte Diskussion wissenschaftlichen Standards genügt? In der klassischen wissenschaftlichen Kommunikation in Fachblättern und auf Konferenzen werden die Diskussionsteilnehmer durch Peer-Review bzw. andere, bereits anerkannte, Wissenschaflter als seriös akkredetiert. Die Fachwelt verleiht ihren Mitgliedern durch Einladung auf Tagungen und Peer-Review Publikationen gewissermaßen das Gütesigel „echter Wissenschaftler“.

Es bleibt die Frage, ob ein ähnlicher Akkreditierungsmechanismus auch in der Blogwelt gilt oder notwendig ist. Möglicherweise sind neue Dienste wie researchblogging.org in diese Richtung vielversprechend. Dort kann man Postings veröffentlichen (und sie mit einem entsprechenden Gütesiegel versehen), die sich mit Peer-Review Publikationen befassen.

Ich habe zur Zeit den Eindruck (und bitte um Korrektur, falls ich mich irre), dass die wissenschaftliche Bloggerszene daran krankt, nicht die im althergebrachten System vorhandenen Qualitätssicherungsmaßnahmen bereitstellen zu können und deswegen von vielen (Wissenschaftlern) mit teils erheblicher Skepsis betrachtet wird.
Deswegen sind natürlich nicht alle Bloginhalte per se unwissenschaftlich. Es fehlt nur die unabhängige und anerkannte Instanz, welche die Wissenschaftlichkeit offiziell bestätigt.

Offene Fragen

Es wäre sicherlich vermessen zu behaupten, dass in Blogs stattfindende Kommunikation über wissenschaftliche Themen, Ergebnisse und Fragestellungen keinen Einfluss auf die Forschungsarbeit der beteiligten Blogger und Rezipienten haben können. Jedoch gilt es, dies genauer zu untersuchen um festzustellen welche Bedeutung in Blogs geführte Kommunikation tatsächlich auf den wissenschaftlichen Fortschritt hat.

Hinsichtlich der hier versuchten Unterscheidung ist auch zu fragen: Findet interne Wissenschaftskommunikation im engeren oder weiteren Sinne über Blogs zur Zeit statt und ist sie überhaupt prinzipiell möglich? Was sind die vollständigen Kriterien für Wissenschaftskommunikation im engeren und weiteren Sinne und wie ist letztere vom (Web2.0 bedingten Jedermann-) Wissenschaftsjournalismus abzugrenzen?

Interne Wissenschaftskommunikation in Blogs findet offensichtlich nur statt, wenn Sender (Blogger) und Empfänger (Zielgruppe) dem Kreis der anerkannten Wissenschaftler angehören UND die im Blog dargestellten und diskutierten Inhalte in Bezug zur fachlichen Kompetenz des Bloggers und der Mitdiskutanten stehen und somit dem wissenschaftlichen Standard der jeweiligen Disziplin voll und ganz entsprechen. Diese Bedingungen sind in öffentlichen Weblogs jedoch kaum erfüllbar und man könnte geneigt sein, die Idee einer definitorischen Abgrenzung von wissenschaftsinterner Kommunikation von der (gesamtgesellschaftlichen und auch in Blogs geführten) Diskussion über wissenschaftliche Themen über Bord zu werfen und sie für sinnlos zu erklären. Doch kann sich die Forschungsgemeinde dies leisten ohne eine Verwässerung von Wissenschaft in Kauf nehmen zu müssen? Oder ist es vielmehr anders herum, dass die Möglichkeit Forschungsfragen mit einer potenziell riesigen Menge interessierter Menschen zu führen, eine Bereicherung für den wissenschaftlichen Fortschritt darstellt?

3 Kommentare zu “Blogs und interne Wissenschaftskommunikation”

  1. Bärbel Zeiger-Jansen
    September 27th, 2008 10:53
    1

    Aus meiner Erfahrung als Kommunikations-trainerin und damit auch verbunden Meetings und diverse Treffen, ist einerseits eine Verwässerung und Ausschweifung zu angedachten Themen nicht zu vermeiden, andererseits bietet es aber auch die Möglichkeit andere Sichtweisen von eventuell auch Nichtexperten mit einzubeziehen. Der Blick aus anderen Fenstern ist oftmals sehr nützlich, um nicht im eigenen Saft zu schmoren!

    B. Zeiger-Jansen

  2. björn
    Oktober 7th, 2008 17:10
    2

    das ist kritik und zwar konstruktive….

  3. schmirblog » Blog Archive » Interne Wissenschaftskommunikation - Eine Mindmap
    Oktober 16th, 2008 14:34
    3

    [...] vorletzten Beitrag habe ich versucht mich der Begrifflichkeit “Interne Wissenschaftskommunikation” [...]

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